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Paris und Corona: So fühlt sich das Leben in Paris mit Lockdown & Sperrstunde an

Veröffentlicht: März 2021

Paris in Corona-Zeiten

Corona, Corona, Corona... Wir nähern uns dem Frühjahr 2021 und trotzdem ist die Pandemie noch in aller Munde. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, wo sich vielmehr die Beschreibung Covid-19 eingebürgert hat. Wie sich das Leben aktuell in der Stadt anfühlt, möchte ich gerne beschreiben.

Seit gut einem Jahr leben wir nun alle mit dieser Pandemie und wie überall haben auch die Menschen in Frankreich davon genug. Voll von den teils rigiden Beschränkungen, genug von den schlechten Nachrichten und der wirtschaftlichen Lage, die auch hier viele Selbständige, Gastronomen und noch so viele andere Millionen Menschen  im Würgegriff hat

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht das Für und Wider der Einschränkungen und die politische Lage diskutieren, sondern einen kleinen Einblick davon geben, wie sich das Leben in Paris aktuell zu Corona-Zeiten anfühlt.

Natürlich handelt es sich immer noch um Paris, diese wundervolle Stadt an der Seine, in der man beim Alltagseinkauf einen Blick auf den Eiffelturm erhaschen kann. Der Stadt, die selbst im Regen ihre Schönheit bewahrt (man sollte nur nicht gerade mit dem Auto im Stau auf der Pariser Stadtautobahn, feststecken, da nützt selbst der schönste Regenbogen nichts). Aber tatsächlich spürt man inzwischen eine zunehmende Lethargie unter den Menschen und "Corona-Müdigkeit".

Geschlossenes Geschäft im 17. Arrondissement

Geschlossenes Geschäft im 17. Arrondissement

Zwar fiel mir seit letztem Jahr auf, dass die Franzosen überraschenderweise sehr konsequent Maske tragen und sich an die Regeln halten. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen! Aber monatelange Demonstrationen von Corona-Leugnern oder Diskussionen über Ich-brauche-meine-Maske-nicht-zu-tragen-Atteste gab es hier in dem Ausmaß wie in Deutschland nicht. Nichtsdestotrotz schimpfen die Leute vor Ort ebenso über die Corona-Politik. Und inzwischen wird der Ton immer rauer, weil die Maßnahmen sehr willkürlich erscheinen.

Der erste knallharte Corona-Lockdown in Paris  erfolgte im März 2020. Das bedeutete, dass man sich nur maximal eine Stunde außerhalb der Wohnung aufhalten durfte, zum Beispiel für den Einkauf relevanter Dinge, Arztbesuche, einen kurzen Spaziergang oder das Gassigehen mit dem Hund. Dafür musste jeder Bürger ein Dokument mitführen, in dem Datum und Grund für den Aufenthalt angegeben waren. Im Sommer kam es zu weitreichenden Lockerungen, jedoch bestand da bereits eine Maskenpflicht. Ende 2020 erfolgte noch einmal ein echter Lockdown, der im Vergleich zum Frühjahr etwas weniger restriktiv war.

Saint Lazare ist normalerweise nicht so leer an einem Samstagmorgen

Saint-Lazare ist normalerweise nicht so leer an einem Samstagmorgen

Bis vor kurzem lebten wir in Paris "nur" mit einer Sperrstunde. Diese wurde zuletzt auf 18 Uhr festgesetzt und beginnt nun täglich um 19 Uhr (seit 20. März). Daneben gibt es nun einen dritten Lockdown, der erstmal bis Mitte April angekündigt ist - die erneut eingeführten Ausgangsbescheinigungen, die man auch tagsüber ausfüllen musste, wurden aber innerhalb eines Tages abgesetzt. Nur abends muss man aktuell mit einem Dokument belegen, warum man sich während der Sperrstunde in Paris bewegt. 

Wir haben uns alle an die Maske im öffentlichen Raum gewöhnt, die hier schon viel früher verpflichtend war. Stoffmasken dürfen auch weiter benutzt werden, außer zum Beispiel bei einer Flugreise. In der Metro findet man seit langem Kleber auf dem Boden, die auf den Abstand zwischen den Fahrgästen hinweisen, wobei die berüchtigten Corona-Sticker auf den Sitzen gewichen und eigentlich nur noch auf den Bahnsteigen zu sehen sind. Diese waren überall zu finden und erinnerten uns daran, dass es keine gute Idee ist, sich neben jemanden zu setzen. Ich frage mich manchmal, ob wir diese Vorsicht je verlieren und in einer weit entfernten "Normalität" wieder ungezwungener miteinander umgehen können.

Plakatkampagne gegen Umweltsünder in Paris

Plakatkampagne gegen Umweltsünder in Paris

In der Metro fällt z.B. auch auf, dass die Plakate mit aktuellen Theatervorstellungen absolut trostlos ausgedünnt sind. Überall hängen neben den Metro-Plänen Hinweispläne, wie man sich in Coronazeiten verhalten soll und besonders nachdenklich stimmen die riesengroßen Plakate, die daran erinnern, doch bitte keine Masken einfach auf den Boden zu schmeißen. Dass so eine Kampagne überhaupt nötig ist, stimmt traurig.

Wo wir gerade über Theater sprechen: Auch das Kino leidet hierzulande massiv unter der Pandemie. Im Herbst des vergangenen Jahres konnten wir mit Maske kurz etwas Normalität erhaschen, aber seit Ende 2020 sind alle Kinosäle geschlossen.

Das hat nicht nur für die Verleiher eine drastische Auswirkung, sondern auch für die vielen Kinobetreiber und Kinoketten wie Gaumont und UGC. Fehlt Ihnen das Kinoerlebnis auch so wie mir? Auf Popcorn kann ich verzichten, aber inzwischen fehlen mir sogar die Tritte gegen die Rückenlehne während eines Films ;-) 

Inzwischen sieht man mehr Teddys dinieren als Pariser*innen

Inzwischen sieht man mehr Teddys dinieren als Pariser*innen

Im Stadtbild hingegen entdeckt man sofort die vielen geschlossenen Rollläden und -gitter vor so unfassbar vielen Geschäften. Zwar sind hier im Gegensatz zu Deutschland seit langem viele Geschäfte offen, aber nicht wenige haben ihre Öffnungszeiten angepasst - oder haben die Krise leider nicht überlebt. Noch drastischer hat sich das Stadtbild wegen der geschlossenen Restaurants und Bars verändert. Wo McDonald´s und UBER jubilieren, ist die aktuelle Corona-Lage nicht nur in Paris für viele Gastronomen ein Sargnagel. Seit Monaten ist es ihnen untersagt, Menschen in den Restaurants zu bedienen, nur Abholung - aktuell bis 18 Uhr - und Lieferung - bis 22 Uhr - sind erlaubt.

Ich gehe unglaublich gerne außerhalb essen und dies ist eine Sache, die mir am meisten fehlt - das Zusammensitzen mit Freunden bei einem Glas Wein, in einem der typischen Sushi-Restaurants an jeder Ecke oder am Wochenende in eine Pariser Bar. Nun geht man durch die Straßen, sieht die Stühle in vielen Restaurants hochgestellt, als ob der Feierabend um 2 Uhr nachts ansteht, und entdeckt hier und da eine leckere Auslage, die die Leute um die Mittagszeit zum Abholen animieren soll.

Geschlossenes Restaurant vor der Mittagspause

Geschlossenes Restaurant vor der Mittagspause

Kurzum, Paris in Corona-Zeiten bedeutet Ausgangssperre, geschlossene Restaurants, Beschränkungen und Verzicht. Es ist nicht die schönste Zeit, aber auch die wird vorbeigehen. Ich bin jedenfalls frohen Mutes, dass es irgendwann wieder aufwärtsgeht und wir alle wieder etwas positiver in die Zukunft blicken können.

Sicherlich bringt diese "Auszeit" auch ein paar Momente des Innehaltens und der Ruhe für uns alle. Aber wer von uns möchte wirklich auf die geselligen Aspekte im Leben verzichten und immer daran erinnert werden, dass es uns im Vergleich zu Kriegszeiten doch besser geht? Auch in Paris haben die Menschen schon viel schlimmere Zeiten gesehen, dennoch wünsche ich uns allen, dass die nächsten Monate mehr Normalität bringen und viele Menschen, die lokal massiv von der Corona-Situation bedroht sind - die Gastronomie, Hoteliers, Einzelhändler und so viele mehr - ihren Lebenstraum nicht aufgeben müssen.

Ich freue mich sehr auf den ersten Brunch auf einer Terrasse oder ein Dessert in einem Café, denn irgendwann werden die Lockerungen kommen!

 Sprechen Sie mich an, wenn Sie sich während der aktuellen Corona-Lage in Paris z.B. über die aktuelle Impfsituation informieren möchten und einen Impftermin benötigen!